in eigener Sache

26.10.2008

Mit dem Herzen in Namibia

Angelika Gleich steht für das Hilfswerk »Hoachanas Children Fund«

Seit Jahren unterstützt der Verein Johann-Kemmerzell-Hilfe aus Maintal-Hochstadt das Kinderhilfswerk in Namibia, das geschichtlich sehr stark mit Deutschland verknüpt ist. Das folgende Porträt beschreibt die Arbeit des Hilfsprojektes und seiner Gründerin, die wir auch für unsere Stiftung MainTaler gewinnen wollen.

»Mein Herz schlägt zunehmend in Afrika«, genügt Angelika Gleich als Begründung, wenn sie erklärt, warum sie ihr ehrenamtliches Engagement im Bereich Kirche mit Kindern für das Dekanat Aschaffenburg jetzt aufgibt. Wobei sie nicht den ganzen Erdteil meint, sondern »meine Kinder in Hoachanas«. Die Aschaffenburgerin möchte ihre ganze Zeit und Kraft in Zukunft dem Projekt »Hoachanas Children Fund« widmen, das sie vor acht Jahren aus der Taufe gehoben hat.
Angelika Gleich
Foto: privat
   Angelika Gleich

Leicht macht es sich die 59-jährige ausgebildete Lehrerin nie. Und so wurde ausgerechnet der Sonntagsausflug in einem Urlaub mit ihrem Ehemann zum Auslöser für ein erfolgreiches privat initiiertes Hilfswerk. 1999 waren die beiden zum Segelfliegen ins Internationale Flugzentrum Bitterwasser in Namibia gefahren, ein Flugplatz, der gerade bei Deutschen sehr beliebt ist.

Angelika Gleich, die von Weitem in dem nahegelegenen Dorf Hoachanas eine Kirchturmspitze gesehen hatte, erkundigte sich nach Gottesdiensten. Vom Besuch wurde ihr im Flugzentrum abgeraten, da die Einheimischen noch von Hass gegen Weiße geprägt seien.

Solarkocher machen unabhängig von hohen Energiekosten.
Foto: privat
   Solarkocher machen unabhängig von hohen Energiekosten.

»Man sagte mir, mein Auto würde sicher mit Steinen beworfen - kurz: wir wären ganz unwillkommen«, erinnert sie sich mit Kopfschütteln. Denn nichts davon trat ein. Als sie an einem Sonntagmorgen zur evangelisch-lutherischen Kirche im Dorf fuhr, staunten die Einwohner wohl über den Besuch - »aber mein Herzklopfen war ganz unnötig«, lacht sie heute über sich. Vielmehr habe sie gespürt, dass sie willkommen war, und ließ sich einladen wiederzukommen.

»Ich habe dort das erste Mal wirklich gesehen, wie schlecht es vielen Menschen in Namibia geht.« Ganze Familien müssen von der kleinen Rente der Großmutter leben, Arbeit zu finden sei praktisch unmöglich. Am meisten berührt war die Aschaffenburgerin aber von den Kindern, die etwa die Hälfte der 2000 Einwohner ausmachen. »Niemand muss dort verhungern«, aber an Schulbesuch mit Schulgeld und Uniformen könnten die meisten nicht denken.

Angelika Gleich unterstützt damit die Suppenküche in Hoachanas.
Foto: privat
   Angelika Gleich unterstützt damit die Suppenküche in Hoachanas.

Zurück in Deutschland ließ sie das Erlebte nicht mehr los. Trotzdem staunte sie über sich selbst, als sie am Ende eines Konzerts von Hans-Jürgen Hufeisen und Pater Anselm Grün unter dem Titel »Jeder Mensch hat einen Engel« die Besucher spontan dazu aufrief, doch zu Engeln zu werden für die Kindern in Hoachanas. Diese Kollekte wurde der Grundstock für ihr Hilfsprojekt, der Musiker Hufeisen einer der ersten Paten für ein Schulkind dort. Mit zehn Paten, die je 75 Euro im Jahr an Schulgeld überweisen, fing das Projekt an. Heute sind es etwa 300 Paten, die sie durch ihre Hartnäckigkeit und Menschenliebe gewinnen konnte.

Längst vermittelt Gleich aber nicht nur Patenschaften. Ein Kindergarten und eine Suppenküche für Schulkinder wurden gebaut. Im »Senfkornprojekt« kochen arbeitslose Jugendliche für Schulkinder und betreuen sie bei den Hausaufgaben, die sie zu Hause, wo es keine Tische und Stühle gibt, nicht machen können. Am 8. November wird eine Kindertagesstätte eröffnet, in der Kinder auch essen können. In einem Land, in dem die Familien zu den eigenen Kindern auch noch die Aids-Waisen der Verwandten großziehen müssen, ist das eine große Entlastung.

Was die Organisatorin mit Spenden aus aller Welt auf die Beine gestellt hat, kann sie selbst kaum glauben. Zweimal im Jahr fährt sie nach Hoachanas, spricht mit Kindern, Lehrern und Familien und übermittelt Post in beide Richtungen. Ihre Augen leuchten im Gespräch über Menschen in dem Dorf am Rande der Kalahari. Besonders beim Gedanken an Jugendliche, die mit ihr sehr ernsthaft gebetet hatten für die Menschen, die in Überschwemmungsgebieten oder im Krieg leben oder verhungern müssen - dabei hatten sie selbst nicht einmal Schuhe an den Füßen gehabt.