Politik

30.10.2010

Viel in Sachen Demokratie gelernt

Hola- und Einstein-Schüler auf Kongress in Speyer (rh)

Sechs Schülerinnen und Schüler der Hohen Landesschule Hanau (Hola) sowie der Maintaler Albert-Einstein-Schule (AES) hatten Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche „frei“. Dies nicht aber etwa, um blau zu machen, sondern um einen hochkarätig besetzten Kongress in Speyer zu besuchen: die 12. Speyerer Demokratietagung mit dem Thema „Systemmängel in Demokratie und Marktwirtschaft“.

Alle sind sie im Leistungskurs Politik- und Wirtschaftswissenschaften, gehören der 12. und 13. Jahrgangsstufe an. Die Initiative, Schüler zu motivieren, an einer derartigen Veranstaltung teilzunehmen, kam von Heinz-Joachim Pethke, regionalem Ansprechpartner im Landesverband Hessen des Vereins „Mehr Demokratie“. Pethke ist auch bekannt als Initiator des „MainTaler“, einer „Stiftung für Demokratie von unten“. Die jeweiligen Schulleiter hatten die Schüler problemlos freigestellt, wird die Demokratietagung doch von der renommierten Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften, einer postuniversitären Gemeinschaftseinrichtung von Bund und Ländern, alljährlich seit 1997 veranstaltet.


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Beeindruckt waren die Hanauer und Maintaler Gymnasiasten vor allem von der Fülle und Qualität der Information sowie der Kompetenz der Referenten. Keinesfalls nur „systemkonforme“ Vorträge waren zu hören, sondern auch durchaus extrem kritische, dem heutigen Ökonomie-, Parteien- und Geldsystem durchaus nicht wohlwollend gegenüberstehende wie jener von Sarah Wagenknecht, Bundestagsmitglied aus der Fraktion der Linken. Ihr Referat „Hat Marx doch recht“ gab zu heftigen Debatten Anlass. Den Schülern erschienen allerdings einige Vorträge auch sehr „theoretisch und abgehoben“, wie sie bei ihrer Rückkehr am Hanauer Hauptbahnhof schilderten. Dennoch hätten sie viel mitnehmen können, gerade zu aktuellen Konfliktstoffen wie Parteienverdrossenheit, Bürgerinitiativen á la „Stuttgart 21“ oder auch den unlängst erst abgeebbten Skandalen in der Bankenwelt. Anstrengend war es auf jeden Fall, meinten alle. Auch für Leistungskursler in Sachen Politik sind Themen wie „Staatsverschuldung: Sind Stabilitätspaket und Schuldenbremse nur noch Makulatur?“ oder „Volksparteien ohne Volk; Ursachen und Konsequenzen“, geballt an zwei Tagen aufgenommen, nicht leicht verdaulich.


Doch gleichzeitig fühlten sie sich auch herausgefordert, mehr über das Gehörte nachzudenken und eigene Positionen herauszuarbeiten. Denn keineswegs waren sie alle immer gleicher Meinung. Das ist auch gut so, und in den Berichten, die sie dann vor ihren Mitschülern halten werden, dürfte sich dies ebenso widerspiegeln. Auch die Frage, ob sie zukünftig wählen gehen werden, haben die sechs Schüler noch nicht ganz für sich beantwortet. Ebenso wenig gehören sie bisher einer Partei an. In jedem Fall aber dürften bei der weiteren Bewusstseinsbildung die zahlreichen Kongressbeiträge zum Thema „Direkte Demokratie“, unter anderem von Professoren an Münchener, Osnabrücker, Trierer und Berliner Universitäten, hilfreich gewesen sein.