Politik

10.12.2012

Politiker verlieren weiter an Zustimmung

Nur noch 12 Prozent der Europäer vertrauen ihren Politikern

 

Lediglich etwa jeder Achte Europäer (12%) glaubt, daß die Politiker gut auf die Zukunft vorbereiten – In Deutschland ist es sogar nur jeder Zwanzigste (5%), der noch auf das richtige Handeln vertraut. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Europauntersuchung der BAT-STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN für die über 11.000 Personen ab 14 Jahren in zehn europäischen Ländern repräsentativ in persönlichen Interviews befragt wurden.

Am heutigen 10. Dezember 2012 wird die Europäische Union in Oslo den Friedensnobelpreis erhalten. Diese positive Nachricht erfreut zweifelsfrei alle politischen Vertreter des Kontinents. Die Bürger Europas jedoch stellen den Politikern ein mehr als negatives Zeugnis aus. In ganz Europa hat das Vertrauen in die politischen Vertreter einen neuen Tiefpunkt erreicht. Waren es 2010 immerhin noch 14 Prozent und 2011 noch 13 Prozent, die darauf vertrauten, dass die Politiker gut auf die Zukunft vorbereiten, sind aktuell nur 12 Prozent der Europäer dieser Meinung.

 

Die Dänen sind die einzigen, die noch halbwegs an das richtige Handeln ihrer gewählten Vertreter glauben. In Polen und Griechenland, Deutschland und Großbritannien ist es dagegen nur noch eine verschwindende Anzahl von Einwohnern, die auf die Zukunftsfähigkeit der Politiker bauen. „Das Vertrauen in die Politik ist fast gänzlich aufgebraucht. Die Bevölkerung hat das Gefühl ständig neue Hiobsbotschaften zu erhalten und dabei doch nicht die ganze Wahrheit über das Ausmaß der Krise zu erfahren. Auch sehen die Bürger die Politiker zunehmend als Getriebene an, die nur noch reagieren statt zu agieren und selber den Überblick verloren haben", so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung.

 

LEBEN IN FORTGESETZTEN KRISENZEITEN - BEVÖLKERUNG ERWARTET AUCH WEITERHIN KRISEN

 

Von der Finanz- über die Wirtschafts- bis zur Eurokrise, die Bevölkerung hat das Gefühl in dauerhaften Krisenzeiten zu leben. Und auch in der Zukunft erwarten über zwei Drittel der Europäer (68%) weiterhin Krisen. Vor allem Griechenland und Spanien, die besonders unter der derzeitigen wirtschaftlichen Situation leiden, ist die Sorge groß auch zukünftig von einer Krise in die nächste zu kommen. Aber auch drei Viertel der Franzosen und zwei Drittel der Deutschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Und selbst bei den sonst so positiv eingestellten Niederländern fürchtet knapp die Hälfte eine Fortsetzung der unsicheren Zeiten. Reinhardt: „Die Europäer haben mittlerweile erkannt, dass es keine Frage ist, ob es eine neue Krise geben wird, sondern nur wann und mit welchem Ausmaß".

 

ANGST VOR EINER ZUNEHMENDEN SPALTUNG VON ARM UND REICH

DREI VIERTEL DER BUNDESBÜRGER ÄUßERN BESORGNIS

 

Europa ist zwar eine der reichsten Regionen der Erde, dennoch leben rund 17 Prozent -- oder über 100 Millionen -- der Europäer unterhalb der Armutsgrenze. Sie haben nicht genügend Geld, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Auf der anderen Seite wird von Rekordgewinnen und neuen Umsatzsteigerungen auf Unternehmensseite sowie über neue Boni von Bänkern und Vorständen berichtet. Fast drei von vier Europäern (71%) befürchten, dass sich die hieraus resultierende Spaltung der Gesellschaft in Zukunft noch verschärfen wird. In jedem Land Europas ist mittlerweile die Mehrheit von dieser Entwicklung überzeugt. Die Befürchtungen sind durchaus berechtigt. Laut UN-Bericht 


  • verfügen in Europa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Prozent des Gesamtvermögens. 
  • hat sich die Zahl der Millionäre in den vergangenen drei Jahren um 19% erhöht. 
  • besitzen fünf Prozent der europäischen Bevölkerung ebenso viel Immobilien wie die restlichen 95 Prozent. 
  • haben sich die Durchschnittsgehälter seit Ende der 1970er Jahre in Europa verdreifacht, die Managergehälter sogar verachtfacht.

Die soziale Schere ist in ganz Europa weit geöffnet. Die Mittelschicht -- als das Rückgrat jeder Gesellschaft -- muss entlastet und gefördert werden, ansonsten drohen soziale Spannungen und offene Konflikte", befürchtet Prof. Reinhardt.