Politik

14.02.2004

Vom Trick mit dem Wählerwillen

Die Manipulation mit einer Leerformel

 

Was meint der Benutzer des Wortes „Wählerwille“? Ein Wille kann sich nur auf eine „Sache“ richten. Welche Sache wäre das im Falle „Wähler-Wille“?

Der Wähler geht in die Wahlkabine und macht Kreuze auf seinen Stimmzettel. Bei der Bundestagswahl findet er z.B. einen Wahlzettel vor, auf dem er eine Erst- und eine Zweitstimme vergeben kann. Mit der „Erststimme“ wählt man den Wahlkreiskandidaten und mit der „Zweitstimme“ unterstützt man diejenigen Kandidaten, welche auf der „Landesliste“ stehen und zwar in der festgelegten Reihenfolge - wobei die ersten fünf Kandidaten auch auf dem Wahlzettel vermerkt sind.

 

Was ist nun die Folge des Ankreuzens? Wenn genügend viele andere dieselbe Stelle des Wahlzettels angekreuzt haben, ziehen die Kandidaten ins Parlament ein, werden Mandatsträger. Insofern ist also eine Folgewirkung eingetreten.

 

Der große Irrtum liegt jedoch darin, dass allgemein angenommen wird, damit habe der Wähler einen Einfluss auf die späteren Sachentscheidungen der Mandatsträger ausgeübt. Diese Sachentscheidungen - und auf die kommt es allein an - liegen ganz und gar im Belieben der Mandatsträger. Insofern ist die Wahl ein Scheinvorgang. Der Wähler hat keine Möglichkeit, auch nur eine einzige Sachentscheidung zu beeinflussen.

 

Wahlen sind also reine Personal-Entscheidungen!

 

Da das Wahlverfahren mit Sachentscheidungen nichts zu tun hat - und haben kann - ist es eine bewusste Irreführung, das heißt eine Lüge, wenn Parteisprecher behaupten, die Wähler hätten sie in einer bestimmten Einzelfrage zu einer bestimmten Lösung beauftragt.

 

Wählen ist das Bestätigen von Führern ohne die Möglichkeit einer Auftragserteilung. Es ist ein Zeichen von Unmündigkeit und hemmt die Emanzipation des einzelnen Menschen. Der mündige Mensch will über wichtige Lebensfragen selbst entscheiden.

 

Die Benutzung des Wortes „Wählerwille“ dient ausschließlich dazu, den Menschen, die (noch) keinen eigenen Willen haben, sich noch nicht emanzipiert (von Führerpersönlichkeiten losgelöst) haben, vorzugaukeln, sie hätten einen Willen, ist also ein Manipulationsinstrument, mit dessen Hilfe die tatsächlichen Geschehnisse vernebelt werden.

 

Georg von Maintal 466 / 14.02.04