Politik

30.06.2010

Gauck steht für Unabhängigkeit

Tim Weber vom Verein Mehr Demokratie wählt mit!

Von der TAZ befragt, ob er sich bei der Präsidentenwahl als Sprecher seines parteiunabhängigen Vereins seiner Stimme enthalten werde, antwortete Tim Weber: Nein, auf keinen Fall, warum sollte ich.

TAZ hakte nach, aber als Sprecher von "Mehr Demokratie" müssten Sie doch für eine Direktwahl des Bundespräsidenten sein? Weber: Das sind wir interessanterweise aber nicht - weil dieses Amt mit wenig Machtbefugnissen ausgestattet ist. Das ist umstritten, aber Mehrheitsposition in unserem Fachverband. Die Frage ist: Welche Alternative gibt es zur Bundesversammlung? Das Problem ist natürlich: Sie ist parteipolitisch dominiert, das wird dem Amt nicht gerecht.

TAZ: Und in diesem Jahr werden noch mehr ParteisoldatInnen in die Bundesversammlung entsandt als sonst.  Weber: Das stimmt. Die Parteien wollen kein Risiko eingehen.

TAZ: Haben die Grünen Sie verpflichtet, Ihren Kandidaten Joachim Gauck zu wählen? Weber: Nein. Ich hatte mich schon für ihn entschieden, ehe ich nominiert war. Ich halte ihn für den besseren Kandidaten.

TAZ: Trotz des medialen Hypes, den er gerade erfährt? Weber: Ja. Das ist eine Überhöhung, das ist gar keine Frage. Alle drei KandidatInnen wurden von relativ wenig Menschen ausgesucht. Wenn ich in dieser Verantwortung stehe, wenn ich mir anmaße, jemand auszusuchen, der das ganze Volk repräsentiert, muss ich ein sehr gutes Händchen haben. Das ist diesmal Rot-Grün in meinen Augen gelungen. Joachim Gauck hat in seinem Leben mutige Entscheidungen getroffen und steht für Unabhängigkeit. Er hat dargelegt, dass er einen eigenen Weg gehen kann. Das was dieses Amt also auszeichnet, verkörpert er in sehr viel höherem Maße als die beiden anderen Kandidaten.

INTERVIEW: JAN ZIER von der TAZ

Tim Weber (39) ist Sprecher der Initiative "Mehr Demokratie" und Wahlmann der Grünen in der Bundesversammlung