Politik

28.06.2010

Schule trifft Politik

Podiumsdiskussion in der Albert-Einstein-Schule vom 28.06.2010

„Unsere Parteien präsentieren sich der Jugend als zu wenig attraktiv.“ Diese Meinung einer Schülerin gab Anlass zu breiter Diskussion aller Parteienvertreter und zu deren Einsicht, noch stärker als bislang auf die Jugend zugehen zu müssen, und zur Forderung an die Jugendlichen, sich selbst in Presse und Internet über Parteien und Politik zu informieren, denn es bestehe durchaus auch eine „Holpflicht“ bezüglich der politischen Information.

Um Formen direkter Demokratiegestaltung durch Volksbegehren und Volksentscheid ging es im hochrangig besetzten Podium der engeren Region: Erhard Rohrbach und Matthias Zach traten als Bürgermeister von Maintal und Niederdorfelden als Vertreter der CDU und der Grünen auf, Sebastian Maier und Dieter Fritz repräsentierten SPD und FDP, Dr. Eckhard Kochte stand für den eingetragenen Verein „Mehr Demokratie“. Das Publikum bestand aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 10, 11 und 12. Besondere Anerkennung verdient in diesem Zusammenhang die raumfüllende Anwesenheit und die gezeigte Aktivität der Jugendlichen, die trotz eines mittäglichen Probealarms und „Hitzefreis“ am Albert-Einstein-Gymnasium den Verlockungen des Schwimmbades widerstanden.

 

Begonnen hatte das Projekt „Demokratie von unten“ auf Anregung von Andreas Eibel, Praktikant der Stiftung MainTaler, bereits im Februar. Unter seiner Assistenz erarbeitete sich der 11er-Politikkurs mit seinem Leiter Dieter Klein das Thema, plante die Podiumsveranstaltung und verteilte Aufgaben, - alles weitgehend außerhalb des regulären Unterrichts.

 

Dieser Selbstständigkeit entsprachen denn auch die teils bohrenden Fragen und kritischen Beiträge der Schülerinnen und Schüler zur „Grünen Mitte Maintal“ oder zu Grillplätzen und Windkraftanlagen. Auffallend war dabei die Diskrepanz zwischen der allgemeinen Klage über das geringe politische Engagement der Jugend und der gezeigten Diskussionsfreude der Einsteinschüler andererseits.

 

Dass die (auch juristischen) Möglichkeiten politischer Partizipation durch Volksbegehren und Volksentscheid von den Vertretern der politischen Parteien anders gesehen wurden als vom Vertreter von „Mehr Demokratie e.V.“ war voraussehbar. Die Parteienvertreter verwiesen auf bereits bestehende Möglichkeiten, gegen Strukturverkrustungen anzugehen und selbst aktiv zu werden: Kumulieren und Panaschieren, weitgehend noch nicht beim Wähler angekommen, sei ein wirksames Mittel gegen Parteien- und Listenzwänge , direkte Anhörungsformen in den Parlamentsausschüssen gebe es praktisch bereits, andere Formen der Direktwahl seien zu prüfen, z.B. für die Wahl des Bundespräsidenten.

 

Letztlich stand der Appell der Politiker an die Jugendlichen im Raum, sich zu informieren, sich an Hand eines konkreten Problems kommunal zu engagieren und damit Verantwortung für die Gemeinschaft zu beweisen. Und wenn zusätzlich die Vertreter der Politik aus der Diskussion den Rat beherzigen, sich und die von ihnen vertretene Politik den Jugendlichen näher zu bringen, dann muss diese Veranstaltung als Erfolg gewertet werden.

 

Mit dem gegenseitigen Interesse an einer Fortsetzung der Begegnung von Politik und Schule endete eine Veranstaltung, die nahezu autonom von Schülern geplant und durchgeführt wurde und nicht zuletzt deshalb beweist, dass Politikverdrossenheit nicht auf alle jungen Menschen zutrifft.

 

Dieter Klein

(Kursleiter, Fachbereichsleiter an der AES)