Wirtschaft und Soziales

17.06.2011

MainTalerGutscheine

Ein neues Zahlungsmittel, selbst geschöpft für die Region Maintal

Die Verwendung neuer Zahlungsmittel benötigt eine Neubetrachtung unserer Beziehung zum Thema Geld. Konventionelles Geld ist ungedeckt, wird zentral heraus gegeben und Banken können mit einer kleinen Mindestreserve Unmengen an Krediten vergeben. In zunehmendem Maße wird erkannt, dass dieses Geldsystem eine Wurzel der wiederkehrenden ökonomischen und sozialen Probleme ist. Mittlerweile hat der weltweite Finanzmarkt die Probleme in eine globale Dimension vergrößert. Im Lauf der Jahre wuchs weltweit bei vielen Menschen der Bedarf nach grundlegenden Lösungen. Dabei wurde eine große Anzahl an komplementären Währungen und Tauschringen entwickelt.

Eines der bisher erfolgreichsten Konzepte ist das Regiogeld, welches parallel zum Euro funktioniert. Neben der Förderung der regionalen Wirtschaft unterstützen diese Initiativen auch die Bildung sozialer Netzwerke. Regiogeld wird jedoch zentral geschöpft, kontrolliert und verwaltet. In dieser Hinsicht gibt es Ähnlichkeiten mit der traditionellen Geldschöpfung durch Zentralbanken. Einer der Hauptgründe für Stagnation in regionalen Währungen ist der hohe Verwaltungsaufwand: Die unbezahlten Organisatoren, die die Verantwortung des Betriebs übernehmen, sind zunehmend überfordert, landen evtl. im Burn-Out und stellen folglich ihre Arbeit ein.
Ein neues Modell verbindet Aspekte von Regiogeld und Tauschring. Dabei funktioniert es ohne Verwaltungsaufwand: Die 'MainTalerGutscheine', genannt MainTaler, basieren auf der Möglichkeit, dass jeder sein eigenes Zahlungsmittel herausgeben kann. MainTaler werden ähnlich wie Bargeld verwendet. Sie sind ein wirklich dezentrales Zahlungsmittel.
Üblicherweise arbeiten Menschen zuerst und bekommen dann ihr Geld. Doch wo kommt das Geld eigentlich her? Interessanterweise entsteht Geld durch Schulden. Beim konventionellen System haben die zentral organisierten Staatsschulden mittlerweile astronomische Größen erreicht. Im Gegensatz dazu sind MainTalerGutscheine selbst hergestellte, dezentrale Gutscheine mit überschaubarem und daher auch verantwortbarem Leistungsversprechen.
Der Name MainTaler entstammt sowohl der Region in der er gelten und zirkulieren soll als auch dem früheren Zahlungsmittel. Er wird benutzt für den Austausch von Produkten und Dienstleistungen: 60 MainTaler haben den Wert von einer Stunde qualitativer Leistung. Die qualitative Arbeitsstunde kostet in Deutschland im Durchschnitt 30 Euro. Daher gilt als aktueller Umrechnungskurs 60 MainTaler = 30 Euro (Mai 2011).
MainTaler unterliegen keiner Inflation. Eine Stunde ist und bleibt eine Stunde, auch in hundert Jahren. Preisangaben in MainTaler müssen nicht angepasst werden wenn beispielsweise der Euro von Hyperinflation betroffen ist. In so einem Fall müßte nur der Umrechnungsfaktor angepasst werden. Der Gegenwert von MainTaler (als stabiles Zahlungsmittel) entspricht dann einer höheren Menge an (wertloser gewordenen) Euros.
Zur Einführung des MainTaler trifft sich eine Gruppe von Personen, die Interesse an der Einführung haben. An diesem Tag soll u.a. entschieden werden ob nach den hier geschilderten Kriterien die Idee des MainTalerGutscheins umgesetzt wird oder eine bereits im Umlauf befindliche Währung wie Engelgeld oder Chiemgauer eingeführt werden soll.
Bei MainTaler Treffen werden Angebot und Nachfrage getauscht, Kontakte geknüpft sowie aktuelle Anliegen besprochen. Werden MainTaler überregional eingesetzt, so wandern sie im Lauf ihrer Gültigkeitsdauer wieder zurück in die Region ihrer Entstehung. Schlußendlich werden sie beim Herausgeber des jeweiligen Gutscheins eingelöst. Jeder einzelne MainTalerGutschein trägt Name und Adresse des Schöpfers, eine Wertangabe und Datum der Ausgabe des Herausgebers und eine Gültigkeitsdauer (Jahresende der Gutschein-Schöpfung plus 5 Jahre). Zusätzlich ist jeder MainTalerGutschein gedeckt durch zwei Bürgen (weiblich und männlich). Die Akzeptanz des MainTaler ist natürlich am höchsten in der Region seiner jeweiligen Schöpfung. Jedoch darf jeder Mensch weltweit auch Gutscheine anderer Regionen annehmen und benutzen. Im Besonderen profitiert die regionale Urproduktion vom MainTaler:
Landwirtschaft, Gartenbau, Handwerk sowie soziale Dienstleistungen.

Die Idee des MainTalers stammt von Konstantin Kirsch, der die  http://Minuto-Zeitgutscheine.de  ins Leben gerufen hat, wobei ihm Frau Professor Kennedy zur Seite stand, die ihrerseits als Regiogeld-Päpstin bezeichnet werden kann. Projektbegleitung in Maintal hat die Stiftung http://MainTaler.net übernommen, wo Sie auch mehr noch nachlesen können.